Agend 21 Bad Camberg


Direkt zum Seiteninhalt

Aktuelles




Besuch der Agenda21 in der Morbacher Energielandschaft

Regionale Energiegewinnung ist mehr als nur Klimaschutz


Windräder, Photovoltaikanlagen und eine Biogasanlage
gab es auf der «Morbacher Energielandschaft» zu sehen.
Bei ihrem Besuch der Klimaschutzkommune Morbach im
Hunsrück informierten sich Mitglieder der Lokalen Agenda
21 Bad Camberg an Ort und Stelle über das erfolgreiche
Energiekonzept. Mit dabei auch Vertreter aus
Kommunalpolitik und Landwirtschaft, der Agenda-Gruppe
Usingen und interessierte Bürger aus Bad Camberg.
Foto: Heinen





Von Karen Heinen Bad Camberg.
Die 11 000 Einwohner zählende Gemeinde Morbach in Rheinland-Pfalz macht es
vor: Städte und Gemeinden können energieautark werden. Morbach erzeugt aus
Wind, Sonne und Biomasse soviel Strom, dass ihre Privathaushalte und einen
Großteil ihrer Gewerbebetriebe versorgt werden. Grund genug für die Mitglieder der
Agenda 21 Bad Camberg, der prämierten Klimaschutzkommune im Hunsrück einen
Besuch abzustatten und sich über das erfolgreiche Konzept zu informieren. Der
Einladung zu einer Besichtigung der «Morbacher Energielandschaft» waren unter
anderem auch Stadtrat Heinz Schaus (SPD), die Fraktionsvorsitzenden Frank Weller
(SPD) und Dieter Oelke (Bündnis 90/Grüne), Helmut Kotyrba (SPD) und Ortslandwirt
Norbert Hanson gefolgt.

Seit 2001 setzt die Gemeinde Morbach konsequent auf regionale Wertschöpfung
durch den Einsatz erneuerbarer Energien. Auf einem 145 Hektar großen
gemeindeeigenen Gelände – einem ehemaligen Munitionslager der US Streitkräfte –
wurde die «Morbacher Energielandschaft» ausgewiesen. Schon bei der Planung
wurden die Bürger umfassend eingebunden und über absehbare Vor- und Nachteile
informiert. Zudem konnten sie sich finanziell an den zukunftsträchtigen Investitionen
beteiligen. «So gab es trotz einiger Bedenken eine hohe Zustimmung in der
Bevölkerung» berichtet Stefanie Ströher, die die Camberger Besucher im Auftrag der
Gemeindeverwaltung durch die Energielandschaft führt.

Mit Partnern aus der Wirtschaft wurden vierzehn Windräder mit einer Gesamtleistung
von 28,5 Megawatt, viertausend Quadratmeter Photovoltaikanlagen mit einer
Spitzenleistung von 490 Kilowatt und eine landwirtschaftliche Biogasanlage mit
Blockheizkraftwerk mit 500 Kilowatt errichtet. Der Biogasanlage ist eine Anlage zur
Herstellung von Holzpellets mit einer Jahreskapazität von 20.000 Tonnen
angegliedert, die die Abwärme des Blockheizkraftwerkes kontinuierlich nutzt. Ein
Verbund von 15 Landwirten aus der Region beliefert die landwirtschaftliche
Biogasanlage mit Gülle und nachwachsenden Rohstoffen wie Silomais, Grünroggen
und Gras. «Guck mal da, die fetten Blasen!» Interessiert spähen nicht nur die
jüngeren Exkursionsteilnehmer durch das kleine Bullauge des Fermenters. In dem
Tank bewegt sich eine braune, blubbernde Masse. Hier sind Bakterien an der Arbeit.
Sie verdauen die Gülle und das Pflanzenmaterial und scheiden dabei das Biogas
aus, das zu etwa 70 Prozent aus Methan besteht, dem Treibstoff für das
Blockheizkraftwerk. Die wassergekühlten Motoren treiben Generatoren an und
erzeugen somit Strom. Die Abwärme der Motoren wird unter anderem von der
2 benachbarten Holzpelletieranlage zur Trocknung der Holzspäne genutzt, denn
«gute» Pellets dürfen nur bis zu zehn Prozent Wasser enthalten.

Stefanie Ströher betont, dass wie bei der Stromgewinnung aus Sonne und Wind
auch in der Biogasanlage klimaneutrale Energie entsteht: » Es wird nur so viel
Kohlendioxid freigesetzt, wie vorher von den Pflanzen aus der Atmosphäre beim
Wachstum gebunden wurde». Und das Substrat, das nach Fermentation als Rest
übrig bleibt, riecht kaum und liefert dank der hohen Konzentration an
Pflanzennährstoffen einen vollwertigen Dünger.

Insgesamt hat Morbach schon viel erreicht. Die Leistung wird jedoch noch wesentlich
eindrucksvoller, wenn man bedenkt, dass der Startschuss für die Erstellung des
Energiekonzeptes erst 2001 erfolgte. Weitere Investitionen sind geplant. So soll in
naher Zukunft das höchste Windrad der Welt mit 210 Metern und eine industrielle
Biogasanlage mit einer Nennleistung von 1,5 Megawatt errichtet werden.
«Morbach hat mit dem Energiemix aus Wind, Sonne und Biomasse ein ideales
Energiekonzept verwirklicht. Die Gemeinde kann als Vorbild für Bad Camberg und
viele weitere Kommunen dienen», zieht Rolf Siepermann, der erste Vorsitzende des
«Fördervereins Lokale Agenda 21» Bilanz. Die regionale Energieerzeugung aus
erneuerbaren Quellen rechnet sich nicht nur für das Klima. Investitionen in
Effizienzsteigerung und Energieproduktionsanlagen kurbeln die heimische Wirtschaft
an und lassen den Verbrauchern aufgrund niedrigerer Energiekosten mehr Geld im
Portemonnaie. Entscheidend ist auch, dass die laufenden Ausgaben für die
Energieträger in der Region verbleiben und nicht ins Ausland abfließen.
Laute Windräder, stinkende Biogasanlagen und staubemittierende
Holzpelettieranlagen gehören wohl der Vergangenheit an und konnten an diesem
Tag nicht beobachtet werden. Im Gegenteil, es erstaunte die Besucher, wie leise die
140 Meter hohen Windräder liefen.

Hauptseite | Was ist die Agenda21? | Lokale Agenda 21 | Aktuelles | Link 21 | Verein | Vorstand | Kontakt | Links | Archiv | Impressum | Sitemap


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü